Mit welchen Strategien können Versicherungen ihre Möglichkeiten an die Erwartungen anpassen, die die Versicherten an digitale Technologien stellen? Die Idee der digital arbeitenden Versicherung ist nicht neu, aber sie hat in den letzten Jahren deutlich an Boden gewonnen. Fast alle Versicherungen haben digitale Projekte gestartet, viele haben Digital-Teams eingerichtet, aber nur wenige haben eine wirkliche Strategie für digitale Verfahren.

Um eine kohärente Digital-Strategie zu entwickeln, muss eine Versicherung zuerst entscheiden, was dieser Begriff für sie bedeutet. Meiner Meinung nach gibt es für Versicherungen einen Unterschied zwischen einer Digitalisierung und einer wirklich digitalen Unternehmensstruktur. Bei einer Digitalisierung werden vorhandene Prozesse, Verfahren und Services mithilfe von Technologien verändert, um ihre Effizienz und Effektivität zu erhöhen. Im Grunde werden bei einer Digitalisierung die vorhandenen Vorgehensweisen der Versicherung beibehalten und mit digitalen Methoden umgesetzt. Unter diesen Umständen gibt es keine grundlegende Transformation des Unternehmens. Eine Digitalisierung ist in einer preissensiblen, stark vom Wettbewerb geprägten Branche sehr wichtig, aber sie reicht nicht aus, um eine Versicherung von ihren Mitbewerbern abzuheben. Im Kontext von Versicherungen müssen für eine wirklich digitale Unternehmensstruktur Technologien so eingesetzt werden, dass sie neuen geschäftlichen Nutzen bringen oder eine neue Positionierung am Markt ermöglichen.

Es gibt viele unterschiedliche Methoden, die digitale Prozessreife eines Unternehmens zu bewerten. Ich verwende am liebsten ein Modell mit fünf Phasen. Die erste Phase ist die Digitalisierung, in der Technologien auf vorhandene Prozesse angewendet werden. In der zweiten Phase werden neue digitale Nutzererlebnisse geschaffen. Ein Beispiel für diese Phase ist die Erstellung mobiler Anwendungen für Versicherungsvermittler und -mitarbeiter, um Interaktionen mit dem Unternehmen zu verbessern. Die dritte Phase besteht darin, neue digitale Produkte anzubieten. Ein gutes Beispiel für diese Phase ist ein Unternehmen, das ein neues Reiseversicherungsprodukt konzipiert und dabei eine Partnerschaft mit dem

Anbieter einer mobilen Anwendung für Reisen eingeht, wobei das Versicherungsprodukt in dem Moment angeboten wird, in dem ein Kunde einen Flug bucht. Die vierte Phase ist eine Weiterentwicklung der dritten und besteht darin, digitale Verfahren im gesamten Unternehmen zu integrieren. In dieser Phase betrachtet eine Versicherung alle geschäftlichen Aspekte als digitale Vorgänge, auch in Abteilungen wie Compliance und Betrieb. In der fünften Phase hat die Versicherung eine ganz neue Position am Versicherungsmarkt erreicht. Es gibt heute erst einige wenige Versicherungen in Phase 5, und diese wurden oft schon als digitale Unternehmen gegründet. Ein Beispiel hierfür sind neue Peer-to-Peer-Versicherungsmodelle, die in den letzten Jahren Akzeptanz gefunden haben.

Im ersten Schritt der Transformation in eine digital arbeitende Versicherung müssen Sie bewerten, wo Ihr Unternehmen in diesem Kontinuum steht und wo Sie in den nächsten 3–5 Jahren hinwollen. Eines Tages werden alle Versicherungen digital arbeiten, aber ich bin der Meinung, dass diese Transformation stoßweise vor sich gehen wird, wobei die Vorreiter nach und nach die Nachzügler überrunden und den Großteil der erzielbaren Profite für sich gewinnen werden.

Erwin Sharp

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